Vereinsgeschichte
In der Dachorganisation der ländlichen Reiter in Westfalen, dem Provinzialverband westfälischer Reit- und Fahrvereine, sind rund 532 Vereine mit über 113.300 Mitglieder organisiert. Einer davon ist der ZRFV Borken e. V. mit etwa 450 Mitgliedern.
Die Frage, was wohl die Borkener Pferdeleute im Jahre 1919 zur Gründung bewogen haben mag, ist mit einer Passage aus der ersten Sa tzung beantwortet: "Zweck des Vereins ist die Zusammensetzung und Förderung aller Bestrebungen, die auf die Hebung, Verbesserung und Förderung der westfälischen Pferdezucht und Haltung gerichtet sind. Dazu gehören in erster Linie auch die Förderung und Beschickung sowie die Durchführung der Veranstaltungen für Leistungsprüfungen von Warm- und Kaltblutpferden" Diese grundsätzlichen Aussagen sind neben anderen auch heute noch zu unterstreichen.
Doch wie sah es im Jahre 1919 aus ?
Ein massiver Aderlaß traf die gesamte deutsche Warmblutzucht nach den Versailler Verträgen infolge des verlorenen Ersten Weltkrieges, fast 200.000 Pferde, vor allem die Zuchtrichtung Warmblut, musste an die Siegermächte abgeliefert werden. In diesen schwierigen Zeiten gründeten Friedrich Holthausen, Heinrich Garvert ( Hoxfeld ) und Jakob Wehling ( Rhedebrügge ) den Reitverein Borken. Bereits in den 20er Jahren veranstaltete der Verein ( Heinrich Garvert wurde sein erster Vorsitzender ) Fuchsjagden, Distanzritte nach Haltern, selbst bis ins Sauerland und schliesslich ein Pferderennen auf dem Hof Schulze - Wülfing - Schierenberg in Gemenwirthe. Diese Rennen waren sehr variantenreich, wie die Borkener Zeitung aus dieser Zeit zu berichten weiss: Vereinsflachrennen, Trabrennfahren für Gebrauchspferde, Halbblut Jagdrennen, Pony Rennen und Jagd mit Auslauf.
Hier eine Ausschreibung aus dem Jahre 1938, die uns freundlicherweise von Herrn Ulrich Kolks zur Verfügung gestellt wurde. Ihm liegt diese Ausschreibung sogar noch im Original vor:
- Ausschreibung 1938 -
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden viele ländlichen Reiter für die SA dienstverpflichtet. Während der Kriegsjahre ruhte der Verein. Erst im Jahre 1947, der Krieg hatte gewütet und zu einer erneuten massiven Verminderung des Pferdebestandes - vor allem der qualitätvollen Pferde- geführt wurde die Vereinsarbeit reaktiviert.
Franz Wülfing wurde Vorsitzender und Alfons Schulze - Wülfing übernahm die Geschäftsführung. Nach zähen Verhandlungen mit dem englischen Standortkommandanten wurde dem Reitverein und seinem Mitgliedern gestattet, sich wieder zu versammeln und Veranstaltungen durchzuführen.
Erste reiterliche Aktivitäten kamen auf dem elterlichen Hof von Fritz Tempelmann in Hoxfeld in Gang. Parallel entwickelten sich auch die züchterischen Bemühungen: Durch den Einkauf von Fohlen aus Hannoverschen Zuchtgebiet konnte eine erhebliche Verbesserung des hiesigen Pferdematerials erreicht werden, die nicht zuletzt auch dem sportlichen Bereich des Vereins Impulse gab. Ab 1952 ( Robert Zurhausen war Reitlehrer ) wurden witterungsabhängig in den Wintermonaten in der Viehversteigerungshalle ( sogenannte Bullenhalle ) an der Gelsenkirchener Strasse in Borken Turniere abgehalten.
Der glückliche Umstand, dass Pferdebesitzer ihre Pferde für Reitsportinteressierte, die nicht in der Landwirtschaft zu Hause waren, zur Verfügung stellten, ermöglichte in den Folgejahren vielen Borkenern das Reiten zu erlernen. Der Reitsport gewann hierdurch eine grosse Popularität. Trotz der grossen Krise am Ende der 60er Jahre, die zu einem bundesweit starken Rückgang des Pferdebestandes führte, baute der ZRFV Borken 1951 seine erste Reithalle ( 20 x 40 m ) in Hoxfeld.
Die Reiterei in Borken boomte unaufhaltsam, so dass sich die Verantwortlichen im Jahre 1971 ( Vorsitzende waren zu der Zeit Hans Georg Zurhausen bzw. Heiner Garvert ) zum Bau einer weiteren Halle, diesmal 30 x 60 m, entschlossen.
Und wie sieht es heute beim ZRFV Borken aus ?
Reiten wird von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in unterschiedlicher Art und Weise betrieben, nämlich in den Sparten:
Dressur, Springen, Freizeitreiten und Voltigieren
Dressur
"Die wichtigste Voraussetzung für das Reiten ist die dressurmässige Ausbildung von Pferd und Reiter !" Dies ist die grundsätzliche Maxime der Trainingsleitung beim Reitverein Borken. Dabei wird nicht als Ziel die "Hohe Schule" anvisiert, sondern eine breit angelegt Grundausbildung aller Reiter. Trotzdem hat es über Jahre immer wieder eine Reihe von Borkenern Dressurreitern in der höchsten Leistungskategorie Klasse S gegeben. Einer davon war Rainer Jacobs, der sich jedoch um 1992 aus dem Leistungsport verabschiedet hat. Seit 2002 vertreten Hans-Hermann Klapsing und seine Frau Heike erfolgreich den ZRFV Borken im Dressurviereck. Auch schaffen es viele unserer Nachwuchsreiter ( unter anderem Jenna Strauch und Ann Kathrin Wilting) sich im Dressurviereck außerhalb des Kreises Borken erfolgreich zu präsentieren.
Springen
Zu allen Zeiten hat es im Reitverein Borken Springreiter auf hohen Niveau gegeben, die für den Nachwuchs als Vorbild gegolten haben und zum Nacheifern angespornt haben. Sie alle hier zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Stellvertretend für die Vielzahl der herausragenden Reiter sind hierzu erwähnen: Rudi Schwering ( viele Jahre Reitlehrer in Borken) der bereits in den 60er Jahren bei grossen Turnieren - beispielsweise in Berlin- startete, oder Heinrich Deiters und Hermann Ostendarp, die den Borkener Verein regional über viele Jahre hochklassig vertreten haben. Aussergewöhnlich sind sicherlich die internationalen und nationalen Aktivitäten sowie Erfolge von Marcus und Johannes Ehning, Ulrich Kirchhoff, Kira Weigel, Hermann Ostendarp jun, Hein Wüst, Sandra Ter Bahne, Ann - Christin Spiller und Christiane Neuhaus ( Mannschafts Europameister der Ponyreiter die bereits nicht mehr im aktiven Reitsport tätig ist )
Freizeitreiten
"Reiten ist ein Bazillus der nicht krank macht" Dieser Ausspruch eines Freizeitreiters hat sicherlich für die Reiterei allgemeine Gültigkeit, jedoch im besonderen für die Freizeit- und Hobbyreiter. Auch diese Gruppe ist im ZRFV Borken stark vertreten. Ca. 40 Reiterrinnen und Reiter aller Altersklassen (vorwiegend "Spätberufene", Quereinsteiger und ehemalige Turnierreiter ) treffen sich allwöchentlich zur Reitstunde. Daneben stehen vor allem andere Aktivitäten wie Geländeritte, Hobbyturniere und mehrtägige Wanderritte neben gemeinsamen Unternehmungen, bei den die Familien der Reitsportler eingeschlossen sind, im Vordergrund.
Die ersten drei beschriebenen Bereiche wurden vom Reitlehrer Konrad Hambrügge bis ins Jahr 2000 betreut, der im Bereich der Kinder- und Jugendlichen Förderung durch Gitta Leuker, Heike Wilting, Christiane Hövelbrinks, Petra Andresen und Corinna Wüst unterstützt wurde. Nachdem Herr Hambrügge den Ruhestand antrat, übernahm diese Aufgabe Thomas Vogel. Seit dem 01.06.2002 hat diese Bereiche Hans - Hermann Klapsing mit seiner Frau Heike und ihrem Team erfolgreich übernommen.
Voltigieren
Um 1900 verstand man darunter "künstliche Sprünge und Schwünge auf dem Pferde machen" und häufig eher belächelt, ist es heute ein fester Bestandteil in der Reiterei und teilweise zum harten Wettkampfsport avanciert. Auch beim Reiterverein Borken ist diese Sportart sehr beliebt. Nachdem Ludwig Eckwert ( verstarb 2001 ) vor ca. 8 Jahren nach mehr als 20jähriger Trainertätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand trat, tat sich hier ein grosses Loch auf und konnte nur notdürftig geflickt werden. Doch mit Frau Barbara Vogel, unterstützt von Kerstin Löbbers, fand der RV Borken im Jahre 2000 eine neue Trainerin, die über 60 Kinder in ihrer Obhut hatte. Gleich im ersten Jahr konnte sie mit ihrer ersten Mannschaft vier Siege vorzeigen !
Im Januar 2006 übernimmt Petra Lorse die Voltigierabteilung und kann bereits im Frühjahr die ersten Erfolge verzeichnen.
Sport
Sportliche Höhepunkte im laufenden Jahr sind die Hallenturniere im Februar, Oktober und Dezember ( Nikolausturnier ) sowie das traditionelle Pfingst Reit- und Springturnier, das immer wieder mehrere tausend Zuschauer anzieht.
Zucht
Ein Wort zu den züchterischen Aktivitäten von Vereinsmitgliedern: Stellvertretend für die Vielzahl von Borkener Züchtern und Aufzüchtern des westfälischen Pferdes sind an dieser Stelle Bernhard Lepping, Franz Düppmann, Karl Albrecht und Reinhard Geers zu nennen, die seit vielen Jahren erfolgreich Hengste aufziehen um sie nach bestandener Körung an Landgestüte und private Hengststationen weiter zureichen.
